
Antworten vom Experten zu Kindern, Sport und Bewegung
Im Oktober hatten Besucher exklusiv die Chance, im Rahmen unserer Expertenaktion ihre Fragen rund um das Thema Bewegung an den Sportpädagogen Dr. Balster zu stellen. Diese Möglichkeit haben Sie zahlreich genutzt – vielen Dank!
Wer schon immer wissen wollte wie wichtig regelmäßiger Sport für die 5-jährige Tochter ist oder wie man den Sohn trotz Stress mit dem Trainer zur Teilnahme am wöchentlichen Fußball-Training motiviert, war bei der großen Expertenaktion genau richtig. Viele interessante Fragen haben uns erreicht und eine Auswahl davon möchten wir Ihnen hier präsentieren.
Frage 1: Mein Kind ist ein Sportmuffel und hat irgendwie auf nichts Lust, wie kann ich ihm den Sport näher bringen oder auch herausfinden, welche Sportarten ihm liegen?
Antwort:
Dr. Klaus Balster: Sie sind dabei das wichtigste Vorbild für Ihr Kind. Wenn Ihr Kind erlebt, dass Sie selbst Freude an Bewegung haben und dies auch aktiv in ihren Alltag integrieren, wird es Ihr Verhalten nachahmen und übernehmen.
Beobachten Sie Ihr Kind doch einfach beim täglichen Spielen und Toben in Haus und Garten. Häufig lässt sich hier bereits eine gewisse Neigung zu bestimmten Sportarten feststellen. Nutzt Ihr Kind z. B. den Fuß, um Bälle fortzubewegen, ist es naheliegend, dass es Spaß an Fußball haben könnte. Ermöglichen Sie Ihrem Kind dabei eine Phase der "Erprobung". Gefällt ihm der Sport, entscheidet es sich weiterzumachen, wenn nicht, sollte gemeinsam nach alternativen Angeboten gesucht werden.
Frage 2: Mein 5-jähriger Sohn ist ein sehr sensibles Kind. Er weint oft und wird häufig von anderen Kindern geärgert – und hat dann häufig keine Lust mehr aufs Training. Meine Frage ist, wie kann ich ihn beim Sport besser unterstützen?
Antwort:
Dr. Klaus Balster: Bewegung soll vor allem eines – Spaß machen. Wenn ihr Sohn bisher bei einigen Sportarten noch etwas ängstlich ist, halte ich das für ganz normal – vielleicht war aber auch einfach noch nicht das Richtige dabei.
Um das Selbstbewusstsein zu fördern ist wichtig, dass Sie keinen zu hohen Druck ausüben und die individuellen Vorlieben ihres Kindes berücksichtigen. Wenn ihr Kind keine Lust auf Mannschaftssport hat, ist das auf jeden Fall ok. Zeigen Sie immer, dass Sie ihr Kind so akzeptieren wie es ist.
Eine Idee: Wenn ihr Kind sich das nächste Mal vor dem Sport "drücken" will, erinnern Sie dabei an frühere Erfolgserlebnisse oder Momente in denen ihr Kind bei einer zunächst "ungeliebten" Aktivität doch noch richtig viel Spaß hatte. Wenn Sie die Möglichkeit haben Ihr Kind zum Sport (zunächst) zu begleiten, wäre das natürlich optimal, um durch direkten Zuspruch für ein erhöhtes Selbstwertgefühl bei Ihrem Kind zu sorgen.
Frage 3: Warum ist es besonders wichtig, dass sich Kindern schon in den ersten Lebensjahren viel bewegen?
Antwort:
Dr. Klaus Balster: Schon in ganz jungen Jahren werden die Grundsteine dafür gelegt, ob aus bewegten Kindern auch bewegliche Erwachsene werden.
Durch Bewegung und Spiel lernen Kinder viele wichtige Kompetenzen zu entwickeln. Beispielsweise unterstützt Bewegung die Entwicklung von Schlüsselqualifikationen, wie mit Risikosituationen umzugehen (Verkehr), um zu überleben (Schwimmen), Lebensalltagssituationen zu bewältigen (auf eine Leiter steigen), Voraussetzungen für Lern- und Leistungssituationen zu gewährleisten (Sitzen) und Arbeits- und Leistungsverhaltenssituationen durchzustehen (Durchhaltevermögen).
Frage 4: Ab wie viel Jahren dürfen Kinder Inline-Skaten?
Antwort:
Dr. Klaus Balster: Ich würde Kindern ab 5 Jahren empfehlen, mit dem Inline-Skaten zu beginnen. In diesem Alter haben viele Kinder bereits die motorischen Voraussetzungen für diesen Sport entwickelt. Wichtig ist ein gewisses Maß an Gleichgewichtssicherheit, um die Geschwindigkeit steuern und Richtungsänderungen vornehmen zu können. Außerdem sollten Kinder in der Lage sein Spannungsregulationen vorzunehmen, also ihre Muskeln bewusst an- und entspannen zu können.
Falls Sie sich unsicher sind, beobachten Sie ihr Kind doch beim alltäglichen Spielen. Wenn es in der Lage ist, beispielsweise auf verschiedenen Materialien wie Tüchern oder Teppichfliesen zu rutschen und dies mit Freude tut, besitzt es die nötigen Fähigkeiten um es mit Inline-Skaten oder Schlittschuhlaufen zu versuchen.
Frage 7: Mein Kind übt viele Sportarten aus, unter anderem Karate und Fußball. Meine Frage: Kann zu viel Sport auch ungesund sein?
Antwort:
Dr. Klaus Balster: Bewegung, Spiel und Sport bieten – wenn sie entsprechend der Fähigkeiten des Kindes praktiziert werden – wichtige Grundlagen, um die Gesundheit Ihres Kindes zu stabilisieren. Praktisch bedeutet das, dass dabei kein negativer Stress für das Kind entstehen darf. Keinen Stress empfindet Ihr Kind bei sportlichen Aktivitäten, die es nicht überfordern und ihm einfach Spaß machen. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, brauchen Sie sich keine Sorgen wegen "zu viel" Sport machen, sondern können sich freuen, dass Ihr Kind eine natürliche Freude an Bewegung hat.
Die beiden von Ihnen genannten Sportarten bieten grundlegende Entwicklungschancen für ein Kind. Das Torschussspiel Fußball bietet vielfältige Spielerlebnisse für eine oft vernachlässigte Fußbeweglichkeit und stärkt den Teamgeist, da hier mit anderen Kindern gemeinsam gespielt wird.
Währenddessen eröffnet die Kampfsportart Karate gute Möglichkeiten zur Entwicklung von motorischen (z.B. Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Beweglichkeit) und koordinativen Fähigkeiten (u.a. Gleichgewicht, Reaktion). Durch den indirekten Körperkontakt gelangen Kinder außerdem zu einer guten Körperbeherrschung und lernen Emotionen wie Selbstdisziplin oder Aggressionen zu beherrschen.
Frage 8: Wie oft und wie sollen sich unsere Kinder bewegen?
Antwort:
Dr. Klaus Balster: Hier gibt es keine "richtige Antwort". Generell würde ich sagen: Möglichst viel und zwar wann immer Kinder mögen und können. Ich halte es für falsch, sich festzulegen und zu sagen, man solle sich mindestens 60 Minuten am Tag bewegen. Generell ist es schon einmal gut, wenn das Kind einem regelmäßigen sportlichen Hobby, z.B. im Verein nachgeht.
Auch im Alltag finde ich es wichtig, unterschiedliche und vielfältige Bewegungsanlässe zu bieten. Beispielsweise kann man auf dem Weg nach Hause (von Schule oder Kindergarten) einfach mal eine Haltestelle früher aussteigen und so ein Stück des Weges zu Fuß zurücklegen.
Entscheidend ist, dass man sich bei der Bewegung anstrengt (Atem geht schneller, Schwitzen), denn nur so erreicht man eine ausgewogene Energie-Balance.